Faserverarbeitung · Entfasern
Hanf und Flachs entfasern: Maschinen und Prozessaufbau
Entfasern trennt die Bastfaser vom holzigen Kern von Hanf und Flachs. Lesen Sie, wie eine Linie aufgebaut ist, was die Entscheidungen bestimmt und worauf Sie bei Kapazität, Qualität und Staub achten sollten.
Hanf und Flachs blicken auf eine lange Geschichte des Faseranbaus zurück und erleben derzeit eine zweite Jugend. Beide Pflanzen liefern starke Bastfasern, wachsen schnell und passen in eine abwechslungsreiche Fruchtfolge. Der Ertrag einer Fläche ist jedoch erst dann etwas wert, wenn die Faser vom holzigen Kern getrennt ist. Dieses Entfasern ist ein mechanischer Prozess, und die Wahl der Maschine bestimmt Qualität, Kapazität und Verwendbarkeit der Faser.
Auf dieser Seite lesen Sie, wie das Stroh vorbereitet wird, welche Schritte eine Entfaserungslinie umfasst und was Sie über Kapazität, Faserqualität und Staub wissen sollten. So können Sie ein Gespräch mit uns oder einem anderen Anbieter gezielt führen.
Vorbereitung
Vom Stroh zur Faser
Das Entfasern beginnt nicht in der Maschine, sondern auf dem Feld. Die Qualität der Anlieferung bestimmt, was die Linie leisten kann.
Bevor eine Maschine entfasern kann, muss das Stroh gut vorbereitet werden. Bei Faserhanf und Flachs spielt die Röste eine große Rolle. Während der Röste, häufig auf dem Feld, bauen Pilze und Bakterien das Pektin ab, das die Bastfaser an den holzigen Kern bindet. Für technische Anwendungen wie Dämmstoffe und Verbundwerkstoffe genügt meist eine relativ kurze Röstdauer. Für textile Anwendungen ist die Röste länger und sorgfältiger, weil die Langfaser eine höhere Qualität behalten muss.
Nach der Röste wird das Stroh gewendet, getrocknet und zu Ballen gepresst. Für eine stabile Lagerung und eine gute Verarbeitung gilt eine Feuchte unter 18 Prozent als Faustregel. Zu feuchtes Stroh kann sich erhitzen und verstopft die Linie; zu trockenes Stroh erzeugt mehr Staub und Bruch. Die Feuchte bestimmt also nicht nur die Lagerfähigkeit, sondern auch die Einstellung der Maschine. Prüfen Sie aktuelle Anbau- und Verarbeitungsrichtlinien bei Ihrem Anbauberater oder bei bekannten Wissensquellen für Faserpflanzen, etwa der Forschung der Wageningen University & Research.
Rösten und Trocknen als Ausgangspunkt
Röstdauer und Wetter bestimmen, wie gleichmäßig das Stroh in die Ballen kommt. Eine gleichmäßige Partie lässt sich leichter verarbeiten als eine Partie, in der nasses und trockenes Material gemischt ist. Wir besprechen deshalb immer, welche Schwankungen Sie bei Ihrer Anlieferung erwarten, und konstruieren die Linie so, dass sie diese Schwankungen auffangen kann.
Schritt für Schritt
Aufbau einer Entfaserungslinie
Eine typische Linie für technische Fasern besteht aus fünf Modulen. Der genaue Aufbau unterscheidet sich je nach Pflanze, Kapazität und Endprodukt.
01
Ballenöffner und Zuführung
Der Ballenöffner löst runde oder rechteckige Ballen auf und führt das Stroh gleichmäßig zu. Eine pulsierende Zuführung führt zu schwankender Faserqualität und Verschleiß; Ausgangspunkt ist ein konstanter Strom.
02
Vorbearbeitung und Entfaserung
Das Stroh wird gebrochen und aufgeschlossen, zum Beispiel in einer Hammermühle. Der holzige Kern des Stängels zerbricht in Stücke, die Bastfaser bleibt weitgehend erhalten. Die Einstellung von Drehzahl, Hämmern und Sieb bestimmt das Gleichgewicht zwischen Faserlänge und Reinheit.
03
Trennen von Faser und Schäben
Eine rotierende Siebtrommel lässt die kurzen Schäben durch und hält die Faser zurück. Anschließend kann eine Luftabscheidung oder eine zweite Siebstufe die Fraktion weiter reinigen.
04
Staubabsaugung und Filtration
Eine Absaugung an den kritischen Punkten verhindert, dass sich Staub ansammelt, und hält den Arbeitsplatz sauber. Das abgesaugte Material wird über einen Filter abgetrennt und kann je nach Zusammensetzung noch einen Wert haben.
05
Verpacken und Lagern
Die Faser wird in Ballen oder Bigbags verpackt und trocken gelagert. Auch die Schäben werden getrennt aufgefangen und ihrer eigenen Verwendung zugeführt.
Fraktionen und Anwendungen
Was kommt aus der Linie?
Eine Entfaserungslinie liefert selten nur ein Produkt. Der Wert der Linie liegt oft in der Kombination der Fraktionen, die Sie verkaufen können.
| Fraktion | Merkmal | Anwendung (Beispiele) |
|---|---|---|
| Langfaser | Lange, starke Bastfaser; erfordert meist eine sorgfältige Röste und eine schonende Verarbeitung | Garne und Textilien, hochwertige Verbundwerkstoffe |
| Kurzfaser | Kurze und gebrochene Faser; entsteht bei der technischen Entfaserung | Dämmmatten, Vliesstoffe, Verbundwerkstoffe, Papier und Karton |
| Schäben | Holziger Kern des Stängels, gewichtsmäßig grob die Hälfte des Strohs | Kalkgebundene Blöcke und Putz, Einstreu, Füllstoff |
| Staub und Feinmaterial | Feine Partikel und Faserreste | Häufig Reststrom; Aufmerksamkeit für Sicherheit und Entsorgung |
In Versuchen mit Faserhanf in Belgien wurden Stroherträge von grob 13 bis 16 Tonnen pro Hektar gemessen, davon ein Bastfaseranteil von 4 bis 6 Tonnen und eine Langfaserfraktion von gut 1 bis knapp 3 Tonnen pro Hektar. Das sind Richtwerte aus der Forschung; das Ergebnis auf Ihrer Fläche hängt von Sorte, Saattermin, Wetter und Verarbeitung ab. Nutzen Sie sie zur Orientierung, nicht als Zusage.
Konstruktionsentscheidungen
Worauf Sie achten sollten
Die technischen Entscheidungen bei einer Entfaserungslinie hängen eng zusammen. Wer sie vorab durchgeht, vermeidet teure Änderungen nach der Übergabe.
Kapazität, Faserqualität und Verschleiß
Bei der Konstruktion einer Linie sind drei Fragen maßgeblich. Welche Kapazität benötigen Sie, ausgedrückt in Tonnen Stroh pro Stunde und in Stunden pro Jahr? Welche Faserqualität wollen Sie liefern, und wie empfindlich ist Ihr Abnehmer gegenüber Schäben in der Faser? Und wie schnell verschleißen Messer, Hämmer und Siebe bei Ihrer Pflanze? Hanf und Flachs sind zäh und enthalten Silikat und Sand vom Feld; das verlangt verschleißfeste Bauteile und gute Zugänglichkeit für die Wartung.
- Kapazität: Ballenöffner, Mühle und Sieb aufeinander abstimmen, damit kein Glied zum Flaschenhals wird
- Faserqualität: Länge, Reinheit und Schäbengehalt hängen von Einstellung und Anlieferung ab und unterscheiden sich je nach Abnehmer
- Verschleiß: verschleißfeste Werkstoffe wählen und schnellen Zugang zum Wechseln der Verschleißteile vorsehen
- Energie: Motoren und Absaugung sind große Verbraucher; eine intelligente Steuerung spart bei geringer Last Energie
- Flexibilität: Eine Linie, die auch Miscanthus, Stroh oder Gras verarbeiten kann, erhöht Ihre Auslastung
Staubsicherheit beim Entfasern
Beim Brechen und Sieben von trockenem Stroh wird viel feiner organischer Staub frei. Das ist nicht nur lästig für den Arbeitsplatz, der Staub kann auch brennbar sein und unter Umständen ein explosionsfähiges Gemisch mit Luft bilden. Schon eine dünne Staubschicht kann ein Risiko sein. In den Niederlanden und in Deutschland gelten dafür unter anderem die europäischen ATEX-Richtlinien für Geräte und für den Schutz der Beschäftigten. Zu einer neuen Linie gehören eine Gefährdungsbeurteilung mit Zoneneinteilung und ein Explosionsschutzdokument, erstellt von oder mit einem qualifizierten Fachmann.
Wir bauen Absaugung, Filtration, Erdung und eine übersichtliche Gliederung in die Linie ein. Wir behaupten nicht, dass unsere Maschinen selbst ATEX-zertifiziert sind. Wir sorgen aber dafür, dass die Konstruktion zu dem passt, was Ihr Fachmann benötigt, damit die formale Beurteilung nicht im Nachhinein zu kostspieligen Änderungen führt. Mehr dazu in unserem Artikel über die Verarbeitung von Hanf, Flachs und Gras.
Flexibilität
Eine Pflanze oder mehrere?
Eine flexible Linie hat eine höhere Auslastung, eine spezialisierte Linie oft eine höhere Faserqualität.
Eine Maschine, die mit Hanf gut arbeitet, arbeitet nicht automatisch ebenso gut mit Flachs, Miscanthus oder Gras. Stängeldicke, Fasergehalt und Feuchte unterscheiden sich, und damit die ideale Einstellung von Hammermühle und Sieb. In manchen Projekten entscheidet sich ein Kunde bewusst für eine flexible Linie, mit der mehrere Pflanzen verarbeitet werden können, damit die Maschinen das ganze Jahr laufen. In anderen Projekten ist eine spezialisierte Linie für nur eine Pflanze rentabler.
Wir helfen Ihnen bei dieser Abwägung mit einer Aufnahme und, wo möglich, einer Probeverarbeitung Ihres eigenen Materials. Mehr zu den Anwendungen der Fasern lesen Sie auf der Seite Naturfasern für Bau und Verbundwerkstoffe. Die Übersicht unserer gesamten Leistungen finden Sie unter Faserverarbeitung, und für die Verarbeitung von Miscanthus und anderer Biomasse sehen Sie sich die biobasierten Maschinen an.
FAQ
Häufige Fragen zu: Hanf und Flachs entfasern: Maschinen und Prozessaufbau
Antworten auf die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden. Ihre Frage ist nicht dabei? Nehmen Sie Kontakt auf.
Was ist Entfasern?
Entfasern ist das mechanische Trennen der faserigen Bastschicht vom holzigen Kern des Stängels. Bei Hanf und Flachs geschieht das durch eine Kombination aus Brechen, Entfasern und Sieben. Das Ergebnis sind verschiedene Fraktionen: Langfaser, Kurzfaser und Schäben.
Muss Hanf vor dem Entfasern geröstet werden?
In der Regel ja. Die Röste, oft auf dem Feld, löst die Bastfaser leichter vom Kern. Für technische Anwendungen genügt eine kürzere Röstdauer als für textile Anwendungen. Ein Anbauberater kann sagen, was für Ihre Situation und Ihren Abnehmer passend ist.
Welche Feuchte sollte Stroh bei der Verarbeitung haben?
Als Faustregel wird unter 18 Prozent Feuchte gepresst, damit das Stroh stabil lagerfähig ist und gut verarbeitet werden kann. Zu nasses Stroh kann sich erhitzen und verstopft die Linie, zu trockenes Stroh erzeugt mehr Staub und Bruch. Prüfen Sie stets die Anforderungen Ihres Abnehmers und des Maschinenlieferanten.
Was geschieht mit den Schäben?
Schäben, der holzige Kern, machen gewichtsmäßig grob die Hälfte des Strohs aus. Sie werden als Einstreu, Füllstoff und Rohstoff für kalkgebundene Baustoffe verwendet. Eine Linie, die Schäben getrennt auffängt, erhöht den Wert einer Partie.
Kann eine Maschine Hanf, Flachs und Miscanthus verarbeiten?
Manchmal ja, mit einer einstellbaren Linie, aber die ideale Einstellung unterscheidet sich je nach Pflanze. Eine flexible Linie hat eine höhere Auslastung, eine spezialisierte Linie liefert oft eine konstantere Faserqualität. Beide Optionen besprechen wir bei der Aufnahme.
Ist eine Entfaserungslinie explosionsgeschützt?
Das hängt von Konstruktion und Anwendung ab. Feiner Staub von Fasermaterial kann brennbar und explosionsfähig sein, daher sind Zoneneinteilung, ein Explosionsschutzdokument und Maßnahmen wie Absaugung und Erdung nötig. Wir konstruieren mit diesen Anforderungen im Blick und stimmen uns mit Ihrem Fachmann ab; die formale Beurteilung bleibt bei einer anerkannten Stelle.
Eine Umweltaufgabe oder Maschine im Kopf?
Erzählen Sie uns, wo es hakt. Wir denken bei Technik, Machbarkeit und Planung mit – unverbindlich und in verständlicher Sprache.